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Informationen für Zeugen und Zeuginnen von Gewalt

Für Angehörige, Freunde und Freundinnen, Nachbarn und Nachbarinnen, ...

Viele Menschen können nicht nachvollziehen, warum eine Frau, die von ihrem Partner misshandelt wird, nicht "einfach geht" und ein neues Leben beginnt. Umstehende Personen stellen sich außerdem oft die Frage, wie sie einer betroffenen Frau helfen können.

Dazu ist es wichtig zu wissen: Wenn eine Frau in einer Gewaltbeziehung lebt, kann sie nicht ohne weiteres gehen. Wenn sie sich aus einer gewalttätigen Beziehung lösen will, wird es für sie sehr gefährlich, da der Gewalttäter Angst bekommt, die Kontrolle über sein(e) Opfer zu verlieren und für sein(e) Vergehen haftbar gemacht zu werden. Sehr oft häufen sich daher die Gewalttätigkeiten in dieser Zeit der Trennung. Der Täter versucht ein letztes Mal - zum Teil mit äußerster Gewalt - sein(e) Opfer unter Kontrolle zu behalten. Daher ist es besonders wichtig, dass eine Frau in der Zeit der Trennung - auch mit der Unterstützung umstehender Personen - sehr gewissenhaft für ihre eigene Sicherheit sorgt.

Ein weiterer Grund, warum es für betroffene Frauen schwierig ist zu gehen, besteht in der Erfahrung, dass gewalttätige Personen nicht immer böse und gewalttätig sind, sondern auch gute Tage haben und nett sein können. Diese andere, "nette" Seite des Gewalttäters erweckt bei betroffenen Frauen immer wieder die Hoffnung, dass ihr Partner sich vielleicht wieder ändern könnte - wenn sich die Frau nur anders verhalten würde. Diese Hoffnung ist allerdings unbegründet: die nette Seite des Gewalttäters ist ein Bestandteil der Gewaltausübung und weist nicht auf eine mögliche Veränderung in der Zukunft hin.

Weiters ist es wichtig zu wissen: Die meisten betroffenen Frauen verschweigen ihre Gewalterfahrungen oder verharmlosen sie vor sich selbst und vor anderen Personen. Niemand soll davon erfahren - zum einen aus Angst, dass ihnen nicht geglaubt wird, zum anderen weil sich die betroffenen Frauen der erlittenen Demütigung schämen.

Was Sie tun können:

Wenn Sie Ihrer Verwandten, Freundin, Nachbarin, Bekannten etc. helfen möchten, ist es wichtig, dass Sie ihre Erzählungen ernst nehmen und ihr das Gefühl vermitteln, dass Sie hinter ihr stehen - egal was sie tut oder nicht tut. Ungeduld, Vorwürfe und Aussagen wie "Wenn Du nicht gehst, bist Du selber schuld!“ sind nicht unterstützend, sondern drängen betroffene Frauen in die Isolation und in eine noch größere Hilflosigkeit.

Sie helfen Ihrer Verwandten, Freundin, Bekannten oder Nachbarin außerdem, wenn Sie ihr Informationen über Einrichtungen wie das Frauenhaus zukommen lassen. Sie können sie auch zu einem Gespräch begleiten. Wichtig ist stets, dass Sie die betroffene Frau nicht zu Schritten drängen, die sie selbst nicht machen möchte. Wenn Sie ihr Mut machen und sie darin bestärken, dass sie sich Unterstützung und Hilfe holen kann, haben Sie bereits sehr viel getan.

Für Berater und Beraterinnen, Juristen und Juristinnen, Polizisten und Polizistinnen, ...

Wendet sich eine Frau mit Gewalterfahrungen an Beraterinnen und Beratern etc., wird die Gewalt meist nicht aktiv als solche benannt. In der Regel verharmlosen betroffene Frauen ihre Gewalterfahrungen aus Scham oder Angst, nicht ernst genommen zu werden. Diese Verharmlosung hat bei Beraterinnen und Beratern oft zur Folge, dass sie die Gewalt ebenfalls nicht wahrnehmen bzw. verharmlosen. Für eine betroffene Frau kann das jedoch sehr gefährlich sein, da sie weiterhin in der Gewaltsituation verbleibt und verletzt werden kann.

Wichtig ist deshalb, dass Sie als BeraterIn eine von Gewalt betroffene Frau im Fall einer Verharmlosung sehr ernst nehmen und gezielt nachfragen, was genau sie erlebt bzw. erlebt hat. Es gilt dann, die Gewalttaten auch als solche zu benennen.

Gemeinsam mit der betroffenen Frau können Sie außerdem einen Sicherheitsplan erarbeiten. Eine Anregung dafür finden Sie unter dem Menüpunkt Erste Schritte.
Wenn Frauen Gewalt erfahren, geht es immer darum, wie Schutz und Sicherheit hergestellt bzw. gewährleistet werden können. Seit Inkrafttreten des Gewaltschutzgesetzes mit 1. Mai 1997 ist es möglich, gewalttätige Personen aus der gemeinsamen Wohnung wegzuweisen. Interventionsstellen bzw. Gewaltschutzzentren unterstützen die betroffenen Frauen dabei.

Frauen, die Gewalt erfahren haben, können auch Schutz und Sicherheit in einem Frauenhaus suchen. Daher ist es wichtig, dass Sie einer Frau auch Informationen über ein Frauenhaus in ihrer Nähe weitergeben. Die Adressen der niederösterreichischen Frauenhäuser finden Sie unter dem Menüpunkt Links.

Rufen Sie uns an, wenn Sie Fragen haben:
Telefon: 02622/880 66